Montag, 13. November 2017




RÜCKZUG





Es ist fast nicht zu glauben, aber wir schreiben beinahe schon Mitte November. 

Manchmal frage ich mich, ob denn die Zeit, wenn ich allein am Meer wäre, still vor mich hintreibend, nichts besonderes wollend, keinen Terminkalender im Nacken, keine laute Welt und kein Gerenne in den Geschäften, ebenso schnell verginge.




Ich weiß nur, wenn ich am Meer bin, dass die Tage dahinplätschern wie ein beschaulicher Bach und die Zeit sich dehnen lässt.




Ich meine, die Zeit ist doch subjektiv, auch wenn es ein objektives Mass gibt, aber auch da bin ich mir nicht mehr so sicher, wenn ich mal in die Quantenwelt eintauche.

Alles eine Frage des Beobachtens.




Nun bin ich nicht in einem kleinen Häuschen am Meer, sondern in einem 200 Quadratmeter Haus mit riesen Garten, dann wartet noch ein sehr getriebenes und hektisches Ländle jenseits unseres Reiches und die ganzen To-dos, die selbst mit fortschreitendem Alter nicht weniger werden.




Doch glücklicherweise wohne ich ein wenig "abgehoben" und ich habe den Bodensee quasi vor meiner Haustüre.

Das sind für mich entscheidende Parameter, um doch den Rückzug zu schaffen, den ich mir für den Spätherbst wünsche.

Denn unsere innere und äußere Natur fordern das ein, vehement und gnadenlos - man sieht es an den vielen Infektgeplagten in diesen Tagen.




Wenn ich am See bin, und das schaffe ich fast jeden Morgen, falle ich aus der Zeit. Hier hält plötzlich alles an, selbst die Gedanken im Kopf und fast meine ich, auch der Atem. Oder er bekommt eine andere Qualität, er schwingt mit dem Nicht-Rhythmus mit. 

Es hat etwas von Stillwasserzeit, jener Punkt, wenn Ebbe und Flut sich treffen und für einen Moment im leeren Raum verharren. 




Und jetzt mit zunehmendem Alter, schaffe ich es, diese Stillwasserzeit mitzunehmen, zu meinen Wichtigkeiten und den Alltagsdingen, die meinen, getan werden zu müssen.

Aber es geht leichter, mit der Ruhe in den inneren Räumen
und dem Gefühl, dass alles zu seiner Zeit genau richtig gemacht wird.




Ich habe dieses Jahr wirklich eine lange Liste an dem, was erledigt werden will, trotzdem habe ich einen inneren Rückzug geschafft und damit die Erfahrung, dass es nicht unbedingt das Häuschen am Meer braucht, auch wenn es noch so schön wäre.

Es braucht nur ein paar Augenblicke der Stille und des Bleibens an einem Ort, der zwischen den Welten wohnt.






Kommentare:

  1. Wundervoll! Du hast es wieder geschafft, in Worte zu fassen was ich empfinde.

    Sigrun

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    1. Danke Dir liebe Sigrun. Ist doch immer wieder schön, sich gegenseitig Inspiration zu sein.

      Veronika

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  2. Liebe Veronika,
    ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen, ich kann das ebenfalls gut nachempfinden (und auch der Blick in Quantenwelten gibt mir neue Einsichten, früher habe ich immer gescherzt, es sei wieder eine Gravitationswelle unterwegs, weshalb sich die Zeit so dehnt).
    Als "Atemfrau" weiß ich um den sehr verdichteten, feinen Atem, der sich anfühlt, als würde er stoppen, er hat eine ganz eigene Qualität.
    Ich nehme von hier/dir auch die Ruhe des großen Wassers mit und die poetischen Worte ganz zum Schluss.
    Liebe Grüße
    Petra

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    1. Atemfrau - das hört sich sehr schön an. Und die Zeit dehnen geht, klar geht das, gell!

      Herzliche Grüße
      Veronika

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  3. Liebe Veronika,
    sehr schön wieder in Bild und Wort. :-)
    Oh ja, Zeitempfindung ist sehr subjektiv, da hatte ich ein einschneidendes Erlebnis im Tonstudio. Und ja, in der Natur auch sehr spürbar, besonders am stillen Wasser. Genieße es, dass du es nicht weit hast, bis da hin. Orte des Rückzugs sind wichtig.
    Liebe Grüße
    Ulrike

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    1. Danke liebe Ulrike für Deinen Besuch bei mir. Oh ja, ich genieße das sehr.

      Tonstudio? Bist Du da jetzt sängerisch unterwegs? Das wäre ja klasse.

      Liebe Grüße
      Veronika

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    2. Yes, Tonstudio. Ich hoffe das Lied wird noch vor Weihnachten fertig.
      LG Ulrike

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  4. Liebe Veronika, es ist wieder einmal so wunderschön, dass Du Deine Welt mit uns teilst - ich finde mich bei Dir so oft wieder.
    Eine ganz besondere Qualität der Zeit erreicht auch mich jetzt, und Dein letzter Satz hat mich mal wieder völligst umgehauen :)) Den nehme ich in meinen Tag mit, wenn ich darf :)
    Lass Dich ganz lieb grüßen, Deine Méa, die heute tatsächlich ein Pferd anmalt ;)

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    1. Aber natürlich darfst Du meine Sätze mit in Deine Welt nehmen, so mache ich das auch mit Deinen. Und ich frag nicht mal so höflich wie Du, tztztztz.

      Auf ein tiefes Novembern
      Deine Veronika

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  5. Danke für diesen wunderschönen Post, liebe Veronika.
    Ach, wie beneide ich dich darum, an einem See zu wohnen. Ich stelle mir das auch so entspannend vor, den Tag mit einem Spaziergang dort zu starten.
    Alles Liebe, Sandra

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    1. Gerne liebe Sandra, teile ich meine schöne Welt.

      Ja es ist traumhaft und ich bin glücklich, dass es mir gelingt, es auch zu genießen.

      Liebe Grüße
      Veronika

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  6. Das sind wunderschöne Herbstfotos.

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  7. Wunderschöne Bilder...
    zum Träumen! :)

    GLG und einen schönen Tag!
    Nora

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