Donnerstag, 27. April 2017






ZÄRTLICHKEITEN





Schon seit ein paar Jahren macht sich in unserer Wiese (ich meine wirklich Wiese, die auch vom Bauern gemäht wird und nicht Gartenwiese) die Akelei breit. 




Ich bin ganz und gar erfreut darüber, denn - obwohl unsere Wiese noch relativ bunt ist, weil der Bauer nicht intensiv düngt und das Gras und die Blumen bis zum Verblühen stehen lässt - doch die Pflanzenvielfalt über die Jahre nachgelassen hat.




So wirkt die Akelei fast ein wenig exotisch zwischen den hübschen Frühlingsblühern. Ich finde Ihre Form auch gelinde gesagt spektakulär.




Sie ist total verschwenderisch, wenn ich sehe, wie viele Knospen an einem Stengel sind, sie entfaltet sich wahrhaft königlich, denn die Krone trägt sie erhobenen Hauptes.





Noch bevor sich die Blüte öffnet, ist sie schon selbstbewußt, aufrecht, bereit für die Welt und bereit, ihre Schönheit zu zeigen.





Ich bin richtig dankbar, vor zwei Jahren meinem Impuls gefolgt zu sein, die Kamera zu meinem Begleiter zu machen.

Meine Wahrnehmung konnte ich damit schulen und das Gefühl für die Schönheit in der Natur intensivieren.






Und Geduld lernen, mich mit einem Motiv länger zu beschäftigen, die unterschiedlichen Möglichkeiten, es in Szene zu setzen, aufzugreifen und eine Beziehung aufzubauen zu den kleinen Wesen und sei es nur für einen kurzen Augenblick.






Da entsteht plötzlich eine ganz besondere Liebe, zart und bedingungslos und das Wissen, verbunden zu sein mit allem Irdischen und allem Göttlichen






Sonntag, 23. April 2017






HINTERGRÜNDIGKEITEN


seit nun beinahe zwei Jahren bin ich mit der Kamera intensiver unterwegs. Sie ist fast ein wenig zu meinem Sprachrohr geworden, denn Bilder sind immer vielschichtiger als Worte und erreichen nicht nur die Sinne, sondern auch die tieferen Ebenen der Gefühle. Und sie können oft ausdrücken, was nicht zu beschreiben ist.




Ich habe sehr wenig Verständnis für all die technischen Begriffe und wenn jemand z.B. fragt, mit welchen Objektiven ich fotografiere, kann ich es gar nicht genau definieren. Irgendwie war es mir bisher zu wenig wichtig, mich damit näher zu befassen.




Ich erarbeite mir einfach Schritt für Schritt meine Kenntnisse und alles im Modus "learning by doing".




Meinen eigenen Stil zu finden, was mich als Fotografin ausmacht, das ist mein langfristiges Ziel und der Weg dahin läuft über Experimente, über try and error, über das Gefühl, das ich für Fotos entwickle, die ich in den Tiefen des www finde.




Wenn mich ein Bild besonders "packt", dann weiß ich, das ist meine Spur. Und dann geht es ans technische Umsetzen, ohne zu wissen, wie und mit welchen Bearbeitungen der Fotograf gearbeitet hat. 
Ein etwas langwieriges Verfahren, aber hin und wieder gelingt es mir, ein Ergebnis zu erzielen, mit dem ich zufrieden sein kann und um die technischen Schritte dazu in meiner "ich kann es"-Datenbank abzulegen.




Schon länger ist mir aber klar, dass ich mit meinen Bildern anregen möchte, die Dinge hinter den Dingen wahrnehmen zu lernen. 
Wir leben in einer Vordergründigkeit, die alles, was zwischen den Zeilen steht, was hinter der Bühne sichtbar ist, was jenseits der hörbaren Range liegt, ausblendet. Der Focus weltweit liegt im Außen, im Lauten, im Grellen, im Plakativen und vor allem im Negativen.




Wir sind doch aber von einer unermesslichen Schönheit umgeben, von einer Stille, die uns zu befreien vermag, von einer Vielschichtigkeit, die unsere Sinne in andere Welten entführt, von einer absoluten Wahrheit, die nichts mehr zweifeln lässt, von einer Intensität der Schöpfung, die uns unendliche Demut abringt.




Fairytale - die Geschichten hinter den Geschichten - geheimnisvoll, zwischen Erde und Himmel, zwischen Innen und Außen und doch verbunden mit unseren Träumen und unserer wirklichen Wirklichkeit


Diese Ebenen zu berühren und zu zeigen ist mein Weg der Bildsprache. Und das ständige Üben der technischen Voraussetzungen dazu ist meine persönliche Herausforderung. 




Donnerstag, 13. April 2017





FRÜHLING BRICHT DURCH 
ALLE SCHRANKEN





Wir haben erstes Drittel April und die Narzissen sind schon längst verblüht. 
Die Wiesen leuchten bunt, das Gras ist hoch, alle Blätter an den Bäumen sind schon da, außer die ganz späten wie Nuss und Ahorn




selbst die Duftveilchen verschwinden schön langsam, dafür zeigt der Waldmeister schon sein sattes Grün und die weißen Blütchen

Eigentlich gehört er zum Mai!

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich alles verschiebt und ich meine nicht, dass das nur die Wahrnehmung ist.

Zumindest hat der Frühling so schnell Fahrt aufgenommen wie nie zuvor. Durch meine Fotografie kann ich das sehr gut beobachten und anhand der Bilder des letzten Jahres vergleichen, wo wir denn jetzt stehen. Und Fakt ist, die Apfelblüte ist zwei Wochen früher.

 Ich glaube fast, wir können mit den altvertrauten Rahmenbedingungen unseres Lebens nicht mehr rechnen.





 Vielleicht ist es jetzt notwendig, uns an die Veränderungen anzupassen, die so rasend schnell sind, dass mitunter fast die Luft weg bleibt.

Exponentialkurve - irgendwann mal habe ich verstanden, dass jede Entwicklung nicht linear verläuft, sondern exponential. Also so wie Potenz. Da stecken wir mittendrin.




Ich weiß nicht wirklich, was uns hilft, da mitzuhalten, aber so langsam beginne ich zu begreifen, dass das Leben im Hier und Jetzt, selbst wenn es sich so esoterisch abgedroschen anhört, der Schlüssel dazu sein könnte.





So habe ich in den letzten Wochen wann immer es möglich war, Zeit draußen verbracht und mich dem Augenblick hingegeben. Ich und das Motiv und das Licht und der Moment. Da steht dann plötzlich alles still und es ist einerlei, ob jetzt Frühling, oder doch schon fast Sommer ist, ob es regnet und kalt ist, ob die Zeit dahin rast oder eine halbe Ewigkeit dauert.

Es ist einfach nur jetzt.





Nicht im Widerstand sein - ich kann mich erinnern, dass mich dieser Gedanke vor einigen Wochen schon mal beschäftigt hat. 
Jetzt wird mir allmählich klar, wie die Widerstandslosigkeit auch gelebt werden kann, und es fühlt sich total richtig und gut an.





So bleibe ich jetzt einfach mit mir, der sich verändernden Welt und dem Jetzt in Kontakt und nehme es an, so wie es ist