Sonntag, 19. Februar 2017





ALLES GEHT EIN WENIG SCHNELL


hört sich fast ein wenig paradox an, meine Eingangszeile.
Ich habe noch wundervolle Winterbilder, ich habe noch stimmungsvolle Fotos von welken Blättern.

Und jetzt rennt uns der Frühling fast die Türe ein, Sonne pur, auf der Terrasse sitzen ohne Jacke, ein paar Schneeglöckchen winken und es scheint, als ob es unter der Oberfläche schon zu brodeln beginnt.

Trotzdem ist der Februar noch nicht vorbei, es ist immer noch Spätwinter, schneien kann es noch kommen und kalt werden.

Der Tanz der Winterelemente lebt, selbst wenn sie sich mal für eine kurze Zeit zurückziehen.





Und genau in diese Zwischenzeit hinein öffnen unsere Orchideen ihre Blüten




Über Nacht holen sie mich aus der Versenkung des Winters raus. Ein wenig noch wäre ich gerne geblieben in der Stille des Februar. Ich kann mich nicht daran erinnern, eine Winterzeit so zu meinem Eigenen gemacht zu haben, wie die letzten Monate.




Die fehlenden Farben haben meine Augen beruhigt, die Kälte hat mich intensiv spüren lassen, das Dunkle hat mich an meine eigenen Tiefen erinnert, der Schnee hat sie wieder weiß gemacht, Raureif hat eine andere Welt entstehen lassen und die gefrorenen Seifenblasen Kinderwunder gezaubert.

Wenn ich immer geglaubt habe, der Winter sei eintönig, habe ich mich eines besseren belehren lassen und seine Vielfalt, die nicht laut und aufdringlich ist, sondern subtil und geheim, lieben gelernt.




Wohl gefühlt habe ich mich diesen Winter, eingenistet in sein Reich und hatte nicht, im Gegensatz zu vielen anderen, Frühlingssehnsucht. Selbst wenn sie sich mal ansatzweise gezeigt hat, habe ich ihr nicht erlaubt, sich breit zu machen. Zu sehr hat mich das "Leben im Moment" gelehrt, wie wohltuend es ist, wie entspannend und befreiend. Mein Einverstanden sein mit dem, was ist, hat mich sehr tief in mein Inneres gebracht.

Alles hat seine Zeit, alles braucht seine Zeit, das Abtauchen, das Warten, das Ruhen, ich konnte dies so sehr begreifen und fühlen wie nie zuvor




Das Fieber des Visionierens und der Hype um Träume leben und Ziele setzen, die exzessive Energie des Neustarten Wollens zu Jahresbeginn sind an mir vorbeigezogen, ohne mich mitzunehmen. Ich habe es einfach nicht zugelassen, wollte bewusst einen Kontrapunkt setzen. "Nicht mehr zu wollen, sondern zu folgen" habe ich soeben bei Grazyna auf https://vintagemusederfuelle.blogspot.co.at/ gelesen - besser hätte ich es nicht ausdrücken können.






 Eine Blüte setzt sich auch keine Ziele, sie folgt ihrer inneren Bestimmung in einer Natürlichkeit und Eleganz, die uns vollständig abhanden gekommen ist.

Ständig sind wir mit dem beschäftigt, was wir erreichen, wo wir hin wollen, dass sich die Schönheit des Moments uns völlig entzieht.
So sehr sind wir uneinverstanden mit dem Jetzt, dass wir uns dauernd Dinge herbeisehnen, die vielleicht gar nicht mit unserem inneren Plan konform gehen.




Eine Blüte entwickelt sich aus ihrem Inneren ins Außen.
Wir meinen, es genau anders rum machen zu müssen und es soll so besser sein. Wie töricht und in letzter Konsequenz lebensverneinend




Und nun haben sie sich entfaltet, in eine unverfälschte, pure Schönheit, die mich staunen lässt, in eine Klarheit hinein, die mir fast den Atem raubt.

Sie lassen ahnen, welche Schätze noch in der Erde schlummern, welche Wurzeln sich schon bereit machen, die schönsten Blüten hervorzubringen. Die sich in der Dunkelheit bereit machen für das Licht.




Hätte es denn einen Sinn gemacht, früher erblühen zu wollen, hätten sie die Farben entwickeln können vor ihrer Zeit, hätten sie uns sprachlos gemacht im halbreifen Sein?





Mit der tiefen Gewissheit, in meine eigene Blüte zu kommen, wenn meine Wurzeln genug genährt und gestärkt sind und mich dem natürlichen Zyklus folgend, auch wieder zurückziehen zu dürfen, um neue Kräfte zu sammeln, kann ich meinen Tagen folgen, wohin sie mich auch führen.





Lasst Euch leiten, Eure Blüte weiß auch, wann die Zeit gekommen ist




Kommentare:

  1. MEI san des ZAUBERHAFTE BUIDLN
    I LIEB ORCHIDEEN ah so sehr,,,
    sie sind so ZART und FEIN,,,

    hob no an feinen ABEND
    bis bald de BIRGIT

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    1. Liebe Birgit,

      dank Dir für Deinen lieben Kommentar.
      Auch a ganz a schöne Zeit für di
      Veronika

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  2. Oh Du meine Güte, hast Du das grandios geschrieben. Also das war wirklich das beste zum Februar. Ich weiß nicht, welcher Satz es am besten traf, da war so viel drin. Hui. Ich habe den Post nun einmal gelesen, werde aber noch ein paarmal lesen, denn auf einmal krieg ich das gar nicht. Das dass man sich wieder zurückziehen darf, und auch das mit dem Halbreifen, dass wir eben regelrecht gegen uns und die Energien arbeiten.
    Genau das ist es.
    Vielen Dank für diesen Post, liebe Veronika, Deine Méa

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    1. Liebste Méa,
      danke Dir für Deine mega motivierenden Worte, dabei hatte ich nicht mal das Gefühl, dass es fliesst, das schreiben. Oft sitze ich vor dem PC wie der Ochse, der vor dem Berg steht und die Sätze wollen sich partout nicht formen. Zäh zäh. Umso schöner, wenn sie dann trotzdem ins Schwarze oder besser gesagt, in die Méa treffen.

      Allerliebste Grüße
      Veronika

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  3. Ganz wunderbar geschrieben und mit den Bildern der zarten und darin so präsenten Blüten untermalt. Dein Text ist mir Inspiration.
    Danke und liebe Grüße Petra

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    1. Danke Dir sehr liebe Petra, das freut mich seeeehr.

      Liebe Grüße
      Veronika

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  4. Liebe veronika,
    endlich komme ich wieder dazu ein paar Zeilen dazulassen.
    Du hast deinen Text wieder wunderschön geschrieben und mit herrlichen Bildern umrahmt.
    Auch wenn ich mich wieder nach Frühling, Sonne und Farben sehne habe ich die Stille und tristheit des Winters sehr genossen. Wie bei der Natur auch sollte es für uns Menschen auch die zeit der Stille sein um wieder kraft zu schöpfen um dann erblühen zu können.
    Hab einen guten Wochenstart.
    Herzliche Grüße
    Silke

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    1. Liebe Silke,

      bei Deinen wundervollen Posts frage ich mich tatsächlich, wie Du es zeitlich schaffst, auch noch andere Blogs zu besuchen und zu kommentieren.

      Der Winter ist schon cool, gell? Im wahrsten Sinn des Wortes. Vielleicht braucht er auch ein wenig unsere Lebenserfahrung, damit er geschätzt werden kann für das, was ihn ausmacht.

      Aber der Frühling kann jetzt kommen, ich bin auch ready.

      Ganz liebe Grüße
      Veronika

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  5. Veronika, du Liebe, nun bin ich sprachlos… dass du mich erwähnst.
    Vor allem freue ich mich, aber sowas von :))))))

    Dein Post ist ein Gedicht voller Anmut und Feingefühl.
    Und der Satz „das Dunkle hat mich an meine eigenen Tiefen erinnert“, ist mir besonders aufgefallen, denn die meinen schaue ich mir zurzeit besonders an. Ich meine, ich habe keine Wahl und kann meine Augen nicht davor verschließen, was ein wesentlicher Teil von mir ist. Ich möchte die auch nicht weg jagen, sondern versuchen mit dem dunklen Stellen, so zu leben, dass sie mich nicht aufhalten, sondern… als Energiequelle nutzen. Wow… das wäre toll!
    Ich freue mich auf dich nächste Woche, alles Liebe, deine Grażyna

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    1. Aber ja, liebe Grazyna, der Satz hat mich so was von gepackt, da war es total passend, Dich zu zitieren.

      Es ist schon etwas mutig, in seine Tiefen zu blicken und über viele Jahre habe ich mich doch tatsächlich gefragt, wie man das nur macht. Hatte keine Vorstellung, wie das gehen soll und plötzlich macht sich die Tür auf und alles ist klar, na ja, fast alles. Ja das schreibst Du so schön, als Energiequelle nutzen. Alles, was wir von uns verhalten und verdrängen braucht unglaublich viel Energie, die dann frei werden kann, wenn wir es nicht mehr tun. Keinen Widerstand leisten - das ist mein neu erkanntes Credo.

      Wir treffen uns ja auch, gell, wenn ich in Hamburg bin. Wie freue ich mich.
      Ich melde mich dann bei Méa noch per mail.

      Bis gleich mal
      Deine Veronika

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